Allergien, Histamin und schlechter Schlaf

Allergien, Histamin und schlechter Schlaf

In der dunklen Winterzeit sehnen viele den Frühling mit seinen wärmeren Temperaturen und der Natur, die wieder zum Leben erwacht, herbei. Doch für Menschen mit Heuschnupfen beginnt dann eine Leidenszeit: juckende und tränende Augen, Fließschnupfen und Niesattacken. Die Symptome bleiben meist den ganzen Tag über bestehen und oft sind auch das Ein- und Durchschlafen dadurch beeinträchtigt. 

Was sind Allergien?

Allgemein lassen sich Allergien als überschießende Reaktion des Immunsystems gegenüber einem fremden Stoff beschreiben. Dem Immunsystem gehören verschiedene Zellenarten an, unter anderem sogenannte Mastzellen, die zu den weißen Blutkörperchengehören. Diese Mastzellen setzen nach Erkennung des fremden Stoffes den zentralen Botenstoff einer allergischen Reaktion, das Histamin, frei. Das führt unter anderem zu Juckreiz, Atemnot und Niesen.

Diese Beschwerden beeinträchtigen den Alltag und auch die Schlafqualität. Dennoch lässt sich mit Medikamenten oder kleinen Anpassungen im Alltag Abhilfe schaffen und so die Pollensaison erträglicher gestalten.

Hilfe aus der Apotheke: Tabletten

Um die Wirkung des Histamins zu verhindern, setzt man Wirkstoffe ein, die die Bindung von Histamin an den Histaminrezeptoren blockieren (Antihistaminika). Dazu gehört zum Beispiel Dimetinden, ein Antihistaminikum der 1. Generation. Da Histaminrezeptoren auch im Gehirn vorkommen, kann es hierbei zu Müdigkeit als Nebenwirkung kommen.

Modernere Antihistaminika der 2. Generation sind so modifiziert, dass sie kaum oder gar nicht ins Gehirn gelangen und daher weniger müde machen. Beispiele hierfür sind Loratadin oder Bilastin. Cetirizin zählt zwar zu den Antihistaminika der 2. Generation, kann jedoch in einzelnen Fällen ebenfalls Müdigkeit verursachen. Es kann deshalb sinnvoll sein, die Tablette vor dem Schlafen einzunehmen. Die potentielle Nebenwirkung kann man somit als Einschlafhilfe ausnutzen.

Hilfe aus der Apotheke: Nasensprays und Augentropfen

Neben Tabletten stehen auch lokale Therapieformen wie Nasensprays und Augentropfen zur Verfügung. Antiallergische Augentropfen enthalten häufig Antihistaminika wie Azelastin. Daneben gibt es Präparate mit Wirkstoffen, die die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen hemmen. Dazu zählt zum Beispiel die Cromoglicinsäure.

In der Apotheke verfügbare Nasensprays gibt es mit Antihistaminika wie Azelastin oder mit Kortison wie Mometason. Letztere wirken nicht sofort und sind nicht für den Akutfall geeignet. Sie sind für die langfristige Behandlung der allergischen Entzündung gedacht. 

Ergänzend können befeuchtende Augentropfen mit zum Beispiel Hyaluronsäure sinnvoll sein, um die Augen zu spülen. Auch Nasenduschen mit Salzlösung oder Meerwasser-Nasensprays helfen dabei, Pollen aus der Nase zu entfernen. Eine Beratung in der Apotheke vor Ort hilft dabei, die geeigneten Optionen zu ermitteln

Nicht-medikamentöse Maßnahmen 

Um die Pollen nicht mit ins Schlafzimmer zu nehmen, ist es wichtig, nach dem Arbeitstag die getragenen Klamotten zu wechseln und die Haare zu waschen. In der Stadt ist es außerdem von Vorteil, morgens kräftig zu lüften und danach Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auf dem Land ist es umgekehrt - hier sollte stattdessen abends gelüftet werden. 

Ergänzend gibt es Luftreiniger mit speziellen Pollenfilter. Ebenfalls können Pollenkalender oder Pollen-Tracking-Apps hilfreich sein. Dadurch lässt sich leicht ermitteln, wann welches Allergen im Umlauf ist und entsprechende Maßnahmen getroffen werden.

Zur Autorin
Jasmin ist approbierte Apothekerin, Pharmazeutin und angehende Doktorandin an der Universität Bonn. Zusätzlich hat sie einen Masterabschluss in Arzneimittelforschung. Wir sind dankbar, dass wir sie für diesen Beitrag als Gastautorin zu einem wichtigen Thema gewinnen konnten, das viele von uns betrifft und im Alltag oft unterschätzt wird.

 


Quellen:
(1) Lüllmann H, Mohr K, Hein L. Taschenatlas Pharmakologie. 7. Auflage. Stuttgart. Georg Thieme Verlag; 2015 
(2) Lennecke K, Hagel K. Selbstmedikation für die Kitteltasche. Leitlinien zur pharmazeutischen Beratung. 7. Auflage. Stuttgart. Deutscher Apotheker Verlag; 2021 
(3) Geisslinger G, Menzel S, Gudermann T, Hinz B, Ruth P. Mutschler Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. Stuttgart. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart; 2020 

Die häufigsten Fragen zu dem Thema

Warum verschlechtern Pollenallergien den Schlaf?

Pollenallergien führen zur Freisetzung von Histamin im Körper. Histamin verursacht unter anderem Juckreiz, verstopfte oder laufende Nase, Niesreiz und tränende Augen. Diese Beschwerden bleiben oft auch nachts bestehen und können das Ein- und Durchschlafen deutlich beeinträchtigen.

Welche Rolle spielt Histamin beim schlechten Schlaf?

Histamin ist ein zentraler Botenstoff bei allergischen Reaktionen. Er wirkt nicht nur in Nase und Augen, sondern auch im Nervensystem. Eine erhöhte Histaminaktivität kann Unruhe fördern und das Einschlafen erschweren. Deshalb fühlen sich viele Allergiker trotz Müdigkeit nachts wach und gereizt.

Können Allergiemedikamente den Schlaf beeinflussen?

Ja. Antihistaminika der ersten Generation können müde machen, da sie auch im Gehirn wirken. Moderne Antihistaminika machen in der Regel weniger müde, können aber individuell dennoch Einfluss auf die Schlafqualität haben. Die Einnahmezeit kann dabei eine Rolle spielen und sollte im Zweifel mit Apotheke oder Arzt besprochen werden.

Was hilft nachts konkret bei Pollenallergie?

Neben Medikamenten können einfache Maßnahmen helfen, die Pollenbelastung im Schlafzimmer zu reduzieren. Dazu gehören das Wechseln der Kleidung nach draußen, Haarewaschen am Abend, angepasstes Lüften je nach Wohnumgebung sowie Nasenspülungen oder befeuchtende Augentropfen. Ziel ist es, die Allergenmenge vor dem Schlafen möglichst gering zu halten.

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